Riesenkleine Erfahrungen und Missgeschicke.
Freie Schule „Riesenklein“. Allein der Name der Schule hat mich neugierig gemacht. Zum ersten mal, als ich auf verschlungenen Pfaden im Internet über die riesenkleine Homepage gestolpert bin. Damals wusste ich noch nicht, dass ich sie eines Tages so nennen würde. Das „Riesenklein“, wo ich im Rahmen des Symposions hospitiert habe, hat sich bei mir schnell eingenistet... eben auch in der Sprache. Aber zurück zum Anfang.
Ich arbeite nun seit zweieinhalb Jahren an der „Evangelischen Grundschule Apfelbaum“ in Schweta. Bei der Suche nach einer Schule, in der wir als Team hospitieren könnten, bin ich eben über die Homepage der Schule Riesenklein gestolpert und war gleich von dem was ich lesen konnte angetan. Im „Stundenplan“ standen keine Fächer, sondern es gab hauptsächlich Freiarbeitsphasen, ausgenommen nur durch sehr an Orte gebunden Stunden wie Sport oder Schwimmen und Begriffe wie Freier Ausdruck oder Kinderwerkstatt. Vieles klang sehr „freinetisch“. Ich war schnell begeistert und genauso schnell war eine Mail geschrieben. Überraschend schnell kam auch die Antwort von Susanne, die ich jetzt als beherzte Riesenklein- ja, was denn, Rektorin, Chefin, Teamleiterin...? kennen gelernt habe. Erst jetzt fällt mir auf, dass solche „Titel“ an der Schule kaum genutzt werden. Wie auch immer, auf jeden Fall ergab es sich durch die Gegebenheiten an zwei Freien Schulen, dass wir keinen Termin fanden, zu dem wir als Apfelbaumteam am Riesenklein hospitieren konnten. Umso erfreuter war ich, als ich mich in guter (ähem...) Freinettradition Sylvester dann doch noch für das Symposion angemeldet habe und die Freie Schule Riesenklein unter den Hospitationsgastgebern fand. Durch den glücklichen Umstand, dass Sachsen und Sachsen-Anhalt unterschiedliche Ferientermine haben, konnte ich eine ganze Woche am „Riesenklein“ hospitieren ohne am „Apfelbaum“ zu fehlen.
Und nun versuche ich meine Eindrücke in Worte zu fassen. Und das wiederum hat sehr viel mit einem riesenkleinem Missgeschick zu tun. Fang ich also damit an.
Eigentlich wollte nämlich Gisela, die in derselben Woche dort war wie ich, einen Artikel über ihre Zeit dort schreiben. Zur Zeit kann ich nur hoffen, dass sie es doch noch tut, denn mein letzter Stand ist, dass die vielen Fotos, die sie gemacht hat, irgendwo im Datennirvana verschwunden sind. Beim Transfer ihrer Bilder auf meinen Laptop sind selbige nämlich auf unerklärliche Weise verloren gegangen...
Um dies zumindest ansatzweise wieder gut zu machen, habe ich mich die letzten zwei Tage Gisela musste bereist nach drei Tagen nach Bremen zurück - mit einer Kamera bestückt durchs Riesenklein geschlagen. Und als ich mir dann meine Sichtweise auf meine Hospitation angeschaut habe, wurde mir klar, dass ich sie auch in meine Worte fassen muss. Also werde ich versuchen, aus meinem riesenkleinen Erlebnis drei Bilder zu malen in Fotos und Worten. Ich will sie „Herr Riesenklein trifft Herrn Apfelbaum“, „Und sie drucken doch...“ und „Joel begreift das D“ nennen.
„Herr Riesenklein trifft Herrn Apfelbaum“
Das schöne an Besuchen an anderen Schulen ist vor allem der Kontakt mit den Kindern. An jeder Schule gibt es die unterschiedlichsten „Typen“. Von Kindern, die einen gleich am Eingang begrüßen und einem eine Schulführung anbieten, über die vollkommen unbeeindruckten, die einfach ihr Ding machen nach dem Motto „Besuch? Ach ja, kennen wir ja schon...“ bis zu denen, die wortlos, schüchtern und vorsichtig begutachten, ob denn mit dem Erwachsenen da etwas anzufangen ist. Das Schöne an FREIEN Schulen (oder sollte ich besser an „guten“ Schulen sagen?) ist aber, dass diese Kontakte nicht verhindert werden, durch Platzanweisungen für Kinder und Besucher oder andere Verhaltensmaßregeln, die natürliche Begegnungen auf die Pausen reduzieren... wenn überhaupt. Hier war es also möglich, die Kinder beim Lernen und Leben kennenzulernen. Und einer der Wiesengeister, der Gruppe bei der ich die meiste Zeit verbracht habe, begrüßte mich eben am zweiten Tag mit „Guten Tag, Herr Apfelbaum“. Ich hatte mich als Lehrer der Schule mit dem schönen Namen „Evangelische Grundschule Apfelbaum“ vorgestellt, was bei ihm wohl hängen geblieben ist. So entstand zwischen uns schnell das Ritual, dass ich auf seine Begrüßung eben mit „Guten Tag, Herr Riesenklein“ antwortete. Ein kleines Erlebnis, dass mir wiederum hängen geblieben ist und das ein wenig für die freundliche ungezwungene Atmosphäre steht, die ich während meiner Woche am Riesenklein spüren konnte.

„Und sie drucken doch...“
Totgesagtes lebt länger! Ich kannte die Arbeit in der Druckerei noch aus meiner Uni-Ausbildung, wir hatten in der Siegener Hochschule eine eigene kleine Druckerei, die beliebter Arbeits- und Begegnungsort war. Nachdem ich dort damals eben auch Freinet „begegnet“ bin, musste ich im Laufe der Zeit leider feststellen, dass das Drucken irgendwie im Begriff war unterzugehen - selbst bei vielen „Frenis“. Natürlich, man will als Freinet Begeisterter ja keinen Traditionalismus pflegen, sondern eben moderne Schule leben. Und dazu gehört eben anscheinend viel mehr der Computer als die Druckerei. Wer weiß, wie viele Druckereien so einem Computerraum mit Netzwerk und Internetanschluß gewichen sind!? Ich persönlich denke, dass ein sinnvoll genutzter, vernetzter Computer sehr wohl auch ein Werkzeug im Freinetischen Sinne sein kann. Leider verkommen aber sogar in der Schule, Rechner oft zu „Lern“spielzeug, statt ihr Potenzial als Werkzeuge beweisen zu können. Aber genug davon, denn es gibt sie eben doch noch, die druckenden Schulen.
Das Riesenklein hat eine sinnvoll ausgestattete Druckerei (gut, ein Mangel an Schriftsätzen besteht wahrscheinlich immer irgendwann...). Besonderer „Luxus“: einer gelernte Druckerin, welche die Kinder in die Arbeit einführt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Und dann steht da in der Mitte des Raumes die große Druckmaschine.

Zur Zeit meiner Hospitation leider noch nicht in Gang, da das schwere Gerät erst zusammengesetzt werden muss, aber sie ist da. Mit Hilfe der Freinet-Kooperative finanziert, wartet sie auf ihren Einsatz.
Und bis dahin lassen sich die Kinder vom Drucken nicht abhalten, drucken eben mit Handklapppressen, was die Schriftsätze so hergeben. Während ich mich in der Druckerei umsah und Fotos machte, setzte Hannah ein Gedicht und druckte ihren dazugehörigen Linoleumschnitt.

„Joel begreift das D“
Wie wertvoll der praktische Umgang mit den Buchstaben sein kann habe ich besonders erlebt, als Joel seinen vermutlich ersten frischen Druck aus der Presse nahm. Auf mich haben schon in unserer UNI-Druckerei die großen Holzschriftsätze einen bleibenden Eindruck gemacht. Verbindet sich hier nicht Praktikabilität mit Ästhetik in schönster Weise? Das Material, die Arbeit mit dem Selben und das vorzeigbare Ergebnis machten nicht nur auf Joel einen besonderen Eindruck.
Hier sagt ein Bild mehr als viele Worte!


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